Schon vor Kriegsende gab es neue Zeitungen.
Monate vor Kriegsende waren sich Briten und Amerikaner
bereits einig, wie sie die Presse in Deutschland auf eine
demokratische Grundlage stellen würden. Das Gesetz
Nummer 191 sollte sofort nach der deutschen Kapitulation
in Kraft treten. Es sah das Verbot aller deutschen Medien
vor, die Einrichtung alliierter Mitteilungsblätter und die
allmähliche Übergabe von Informationsmitteln an die
Deutschen unter alliierter Kontrolle.
Schon am 24. Januar 1945 erschienen in der bereits 1944
von den Amerikanern eingenommenen Stadt Aachen als
erstes Lizenzblatt die 'Aachener Nachrichten'.
Noch mehr als drei weitere Monate erschienen in dieser
Zeit NS-Blätter, zuletzt am 9. Mai 1945, denn das Gesetz
Nummer 191 trat erst vier Tage nach der Kapitulation in
Kraft. Zugleich erließen die Alliierten die 'Nachrichten-
Kontrollvorschrift Nummer 1', die die Herausgabe von
Zeitungen nach schriftlicher Genehmigung der Militär-
regierungen erlaubte.
Als erste sowjetisch lizensierte Zeitung erschien am
15. Mai 1945 in Berlin die 'Tägliche Rundschau'. Die
erste Lizenzzeitung in der amerikanischen Zone war die
'Frankfurter Rundschau', die am 1. August 1945 erschien.
Es folgten der 'Mittelrhein-Kurier' der Franzosen und am
8. Januar 1946 die 'Braunschweiger Zeitung' als erste
britische Lizenzzeitung. Die Lizenzblätter sollten die
Bevölkerung zur Demokratie umerziehen.
Im Fall des 'Tagesspiegels', der ersten von den Amerikanern
lizensierten Zeitung, wurde dem zuständigen General ein
82seitiger Antrag vorgelegt. Der Bewerbungs- und Prüfungs-
prozeß dauerte zwei Monate, bevor am 27. September 1945
die erste Ausgabe erschien. In Berlin hatte es so lange ge-
dauert, weil die Amerikaner und Briten erst Anfang Juli in
Berlin einzogen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die sowje-
tische Militärregierung die Alleinherrschaft ausgeübt.
Zunächst gab es in Berlin nur kommunistische Zeitungen.
Nach der 'Täglichen Rundschau' erschien am 21. Mai 1945
die 'Berliner Zeitung'. Ihr folgte am am 13. Juni 1945 als
Zentralorgan der KPD die 'Deutsche Volkszeitung', die sich
später mit dem SPD-Organ 'Das Volk' zum 'Neuen Deutsch-
land' zusammengeschlossen hat. Am 22. Juli 1945 erschien
'Die neue Zeit', am 3. August 1945 folgte 'Der Morgen'.
Anderthalb Jahre lang mußten die Zeitungen unter sowje-
tischer eine Vorzensur über sich ergehen lassen. Sie wurde
am 25. November 1946 durch eine nachträgliche Kontrolle
ersetzt. Nicht genehmigte Artikel hatten Geldstrafen zur
Folge.
Die Lizenzträger waren keine Eigentümer, sondern Treu-
händer ihrer Zeitungen. Sie bezogen Gehalt und unter-
lagen der Kontrolle der Alliierten. Größtes Problem war
das Beschaffen von Papier, Farben und Maschinen.
1949 endete in Westdeutschland das System der Lizenz-
vergabe. Zu diesem Zeitpunkt erschienen in der amerikan-
ischen Zone 65 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von
6,34 Millionen Exemplaren. In der britischen Zone erschie-
nen 53 Zeitungen (6,8 Millionen). Im Osten Deutschlands
erschienen drei Dutzend Tageszeitungen mit einer Auf-
lage von sechs Millionen.
Seitdem am 23. Mai 1949 das Grundgesetz mit Artikel
fünf, der die Pressefreiheit garantiert, verkündet wurde,
durfte jeder Zeitungen herausgeben, der nicht als ehe-
maliger Nationalsozialist für belastet erklärt wurde.
Quelle: DER TAGESSPIEGEL Nr. 18 827. 8. Mai 2005.
Verfasserin des Artikels 'Blätter der Demokratie':
Ulrike Simon.
Alliierte Lizenzzeitungen.
Kriegsrecht der Besatzungsmächte behinderten politische Arbeit.
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