Das Jahr 1948 - das Jahr der Währungsreform.

Der Weg zum Westdeutschen Gewerkschaftsbund.
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-sd-
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Das Jahr 1948 - das Jahr der Währungsreform.

Beitrag von -sd- »

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Durch die Währungsreform am 20. Juni 1948 wurde in den drei west-
lichen Besatzungszonen (Trizone) die deutsche Mark als neues Zah-
lungsmittel eingeführt. Löhne, Renten und Mieten wurden diesbe-
züglich in einem Verhältnis von 1:1 umgetauscht. Die Währungsre-
form war voraussetzend für die erfolgreiche Umsetzung des US-
amerikanischen Marshallplans.

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Einhundertfünfzig Kisten mit neugedruckten D-Mark-Noten trafen
mit dem Hapag-Dampfer 'Leipzig' aus New York in Hamburg ein.

Quelle: OSTPREUSSENBLATT, 9. Oktober 1954

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Es war am Sonntag, 20. Juni 1948. In den frühen Morgenstunden
drängten sich die Menschen vor den Ausgabeschaltern für Lebens-
mittelkarten. Lange Schlangen warteten auf die "Kopfprämie":
40 neue Mark bekam jeder Deutsche in den drei Westzonen.
Nach der ersten Kopfgeld-Zuteilung von 40 DM gab es zwei Monate
später weitere 20 DM. Alle Banken- und Sparkonten wurden im
Verhältnis 10 zu 1 zusammengestrichen; die Hälfte jedes Kontos
wurde gesperrt. Von den gesperrten Beträgen wurden später
nochmals 70 Prozent einfach gestrichen. Von 100 gesparten
Reichsmark blieben also nur 6,50 D-Mark. Trotz dieser sozialen
Ungerechtigkeit wurde die Währungsreform zur Geburtsstunde
des Wirtschaftswunders. Sie stellte nicht nur das Vertrauen in das
Geld wieder her, sondern brachte auch die Befreiung von der
Zwangswirtschaft. Innerhalb weniger Jahre wurden für Millionen
Menschen Arbeitsplätze und Wohnungen geschaffen, und in der
Bundesrepublik entwickelte sich ein Massenwohlstand, wie es ihn
nie zuvor auf deutschem Boden gegeben hatte.

Die drei Westmächte hatten die Währungsreform immer wieder
hinausgeschoben, weil sie eine einheitliche Regelung für ganz
Deutschland anstrebten.

Quelle: Über Auswirkungen und Vorgeschichte der Währungsreform
berichtete der Wirtschaftsexperte Michael Jungblut.
In: ZEITUNGEN ALS DOKUMENTE 6, Hamburg.


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Obwohl das Maßnahmenpaket immer 'Währungsreform' genannt
worden ist, war es eigentlich doch eine Geldreform: sie brachte
Geldmenge und Warenangebot in ein neues Gleichgewicht.

Das Problem, das am Tag der Geldreform zu lösen war, die Geld-
und Kreditmenge in Relation zur verfügbaren Menge an Gütern
und Leistungen richtig zu bemessen, ist seit dem Juni 1948 ein
zentrales Problem der Steuerung unseres wirtschaftlichen
Gesamtprozesses geblieben.

Helmut Schmidt 1974

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Das Jahr 1948 - das Jahr der Währungsreform.

Eine Zeit des Aufbruchs und des Neubeginns nach den Jahren
der Zerstörung und des Leids, die der Zweite Weltkrieg mit sich
gebracht hatte. Aber auch wenn sich die Dinge langsam zum
Besseren entwickelten, es gab noch jede Menge Sorgen und
Nöte, mit denen sich die durch Flüchtlinge hoffnungslos über-
füllte Hansestadt konfrontiert sah. Einen genauen Einblick in
die Ereignisse des dritten Nachkriegsjahres aus Lübecker Sicht
liefert der Autor und Journalist Albrecht Schreiber in seinem
Buch 'Lübeck 1948 - Neues Geld und alte Bürde' (9,90 Euro,
Verlag Edition Nord), das zu wesentlichen Teilen auf Zeitungs-
berichten aus dieser Zeit basiert. Ein anderes, fremdes Lübeck,
von dem Schreiber in seinem Buch erzählt:

Im Jahr 1848 gab es in der Hansestadt noch 25 Flüchtlingslager
mit mehr als 10.000 Menschen, die darin hausten. Katastro-
phal waren die Zustände im Lager Dornbreite. 400 Menschen
lebten hier, die Hälfte kaum älter als 14 Jahre. Ein Viertel der
Bewohner litt an ansteckenden Krankheiten, vor allem Tuber-
kulose. Ein Ort, in dem es kaum Hoffnung auf ein besseres
Leben mehr zu geben schien. "Hier büßen Kinder für ihre
Eltern, und Eltern büßen für einen Krieg", zogen die 'Lübecker
Nachrichten' ein düsteres Fazit.

Nahrung war 1948 noch ebenso knapp wie die medizinische
Versorgung. Im Mai, dem Monat vor der Währungsreform,
mußten Lübecks Schlachter ihre Läden schließen: Es gab
schlicht kein Schlachtvieh mehr, die Kühlhäuser waren leer.
Gerade einmal 100 Gramm Fleisch konnte jedem Lübecker
pro Tag zugeteilt werden - wenn sie Glück hatten.

Mit der Währungsreform und der Einführung der D-Mark am
21. Juni 1948 besserte sich zwar die Lage langsam, die Wirt-
schaft faßte wieder Tritt. Volle Bäuche für alle bedeute das
aber noch lange nicht. Praktisch über Nacht füllten sich zwar
die Schaufenster und Geschäfte mit lang entbehrten Waren -
aber hohe Arbeitslosigkeit und Geldknappheit setzten dem
Kaufrausch enge Grenzen. Auch das erste Weihnachten mit
dem neuen Geld stand noch unter diesen Vorzeichen, ein
üppiges Fest wurde es nicht. Auch Marzipan gab es wegen
der schwer zu beschaffenden Mandeln keines: Auf dem Weih-
nachtsmarkt vom 18. Dezember 1947 bis zum 2. Januar 1948
wurde jedoch ein Ersatz "von verhältnismäßig gutem Geschmack"
angeboten. ov

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DM - Kaufpreis für die deutsche Trennung Ost-West ?

Beitrag von -sd- »

DM - Kaufpreis für die deutsche Trennung Ost-West ?

An jenem historischen 20. Juni 1948, als die darbenden,
ausgepowerten Westdeutschen mit dem neuen Geld
sich zum ersten Mal wieder "etwas leisten" konnten,
wurde auch die deutsche Teilung besiegelt: Zwei Wäh-
rungen, zwei Deutschländer. Wirtschaftlicher Aufschwung
gleich nationaler Niedergang. Die Deutsche Mark-West
war der Kaufpreis für die deutsche Trennung Ost-West.

Die neue Währung für Westdeutschland war ein Stück
westlicher Weltpolitik (Eindämmung des Kommunismus),
ein Teil amerikanischer Europapolitik (Aufbau einer west-
europäischen Wirtschaftsmacht) und eine Etappe im
alliierten Strategiekonzept zur Verhinderung einer wieder-
erstarkten, wiedervereinigten Großmacht Deutschland
im Herzen Europas zwischen den beiden Supermächten
Amerika und Sowjetunion.

Im Februar 1948 hatten die Kommunisten in Prag die
Macht erobert. Im März hatten die Sowjets den Kontroll-
rat verlassen. Im Juni begann dann die Berlin-Blockade,
die erst im Mai 1949 aufgehoben wurde. Vom September
1948 bis zum Mai 1949 tagte der Parlamentarische Rat,
der das Grundgesetz beriet, das am 14. August 1949 vom
ersten Deutschen Bundestag angenommen wurde. Noch
heute heißt es in seiner Präambel, daß damit "für eine
Übergangszeit eine neue Ordnung" gebildet werden solle
und seine Väter "von dem Willen beseelt" waren, die
"nationale und staatliche Einheit zu wahren".

Am 23. Juni 1948 ordnete der Moskauer Marschall Soko-
lowski eine eigene Währungsumstellung an, die auch für
den von ihm kontollierten Ostteil Berlins galt. Am 19. März
1949 erhielt auch die DDR ihre eigene Verfassung.

1954 wird für die Bundesrepublik das Besatzungsstatut auf-
gehoben, Bonn tritt der NATO bei. Ein Jahr darauf wird Ost-
Berlin Mitglied des 'Warschauer Pakts'. Der eine Staat be-
kommt seine Bundeswehr, der andere seine Nationale
Volksarmee.

1961 wird die Mauer gebaut, die deutsche Teilung zemen-
tiert, die deutsche Wirklichkeit in Stacheldraht eingeschnürt.

Quelle: Publizist und TV-Kommentator Dietrich Strothmann.
'Geburt der DM - Todesstunde der Wiedervereinigung ?'
In: ZEITUNGEN ALS DOKUMENTE 6, Hamburg.
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