... Werner Benz ?

Auf der Suche nach aus dem Blickfeld geratenen Kolleginnen und Kollegen. Fragen und Antworten.

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... Werner Benz ?

Beitragvon -sd- » 10.10.2015, 11:28

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Zum Leserbrief des Herrn R. Schröder zur Lage in der Ukraine - Titel: 'Unsere Hände sind gebunden'
in der Rotenburger Kreiszeitung, Ausgabe vom 07. März 2015:

Ich habe in der Rußischen Föderation, der Ukraine und in Weißrußland, mehrere Jahre länderübergreifend
gearbeitet. Ein wenig kenne ich mich dort aus. Die Annahme des Herrn R. Schröder in seinem Leserbrief
vom 07. März, daß es "das sich nach Frieden sehnende Ukrainische Volk gibt " erschließt sich mir nicht. Es
gibt dort keine übergreifende, inneren Frieden stiftende Gemeinsamkeit. Im Osten und Teilen des Südens
leben überwiegend russischstämmige, folglich auch russischsprechende Menschen. Sie sind aktuell, aber
auch geschichtlich nach Rußland orientiert. Im Westen und der Landesmitte lebt ukrainisch sprechende,
eher westlich orientierte Bevölkerung. Die vom Westen unterstützte, teilweise außer Kontrolle geratene
Maidanbewegung, fand und findet im Osten nur wenige Anhänger.

Es geht also bei realpolitischer Betrachtung darum, den auseinanderstrebenden Bevölkerungsteilen Perspek-
tiven zu eröffnen, die die staatliche Einheit der Ukraine in ihren jetzigen Grenzen ermöglichen. Das könnte
über Zugeständnisse an den Ostteil, durch das ermöglichen von Selbstverwaltung und anerkennen der Amts-
sprache Russisch möglich werden.

Es fällt auch schwer den Ausführungen des Leserbriefschreibers zur Angst des rußischen Präsidenten vor
"Überlegenheit des westlichen kapitalistischem Systems" zu folgen. Sowohl in Ost als auch in West basieren
die Erfolge der Superreichen auf der Nutzung der körperlichen und geistigen Arbeit vieler. Sowohl im Westen
als auch im Osten ist zu beobachten, daß sich die Superreichen in paramilitärisch geschützte Wohnarreale
zurückziehen, sich mit Personenschützern umgeben und sich in gepanzerten Autos von A nach B bewegen.
Mit der Qualität von Demokratie, hat das nichts zu tun. Es hat eher mit der Frage zu tun, ob diese Auswüchse
des Kapitalismus im 21. Jahrhundert beginnen, das System an sich infrage zu stellen.

Die Hauptgründe, weshalb der rußische Präsident W. Putin in der Bevölkerung seines Landes so immens großen
Rückhalt hat,sind in der postsowjetischen Zeit zu finden. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und den chaoti-
schen Jahren mit B. Jelzin war die Rußische Föderation ein Konkursfall. Kräfte von außen und von innen haben
versucht, sich je nach Interessenlage aus der "Konkursmasse" zu bedienen. Das ist ja auch auf vielen Feldern
gelungen. Was Putin innerhalb relativ kurzer Zeit hinbekam, wird von den meisten Russen bewundert. Er stellte
sicher, daß wieder Renten und Löhne bezahlt wurden, er beschränkte die Macht von Oligarchen und zwang sie
Steuern zu bezahlen. Er sorgte dafür, daß Soldaten wieder Sold bekamen, in ordentlicher Kleidung herumliefen
und sich nicht mehr, wie in Tschetschenien, durch Raub oder Tauschhandel selbst versorgen mußten. Er verhin-
derte die Erosion des Riesenreichs an den Rändern im Süden und kam zu einem Ausgleich mit dem Nachbarn
China im Osten. Daß ein Land, das ca. 48mal größer ist als unsere Bundesrepublik, nach Krisenzeiten straffer
geführt wird als vergleichsweise kleine europäische Länder, ist vor dem geschilderten Hintergrund nachvollzieh-
bar.

Werner Benz, 27356 Rotenburg

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Unser Gast am 7. Oktober 2015 im 'Paulaner' war Werner Benz:

Werner ermöglichte den anwesenden, am Thema sehr interessierten
Kolleginnen und Kollegen, einen Blick hinter die Kulissen und in
jene Jahre, in denen er als Sozialattaché tätig war. Sein Thema
'Meine mehr als fünf Jahre in den Ländern der Russischen
Föderation, der Ukraine und in Weißrußland'.


Werner Benz dürfte vielen Kolleginnen und Kollegen noch als langjähriger
Leiter unserer DAG-Bildungstätte in Walsrode geläufig und bekannt sein.

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