Geschichte des Achtstundentags.

Geschichte des Achtstundentags.

Beitragvon -sd- » 23.11.2018, 10:59

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Geschichte des Achtstundentags.

Vor 100 Jahren wurde der Achtstundentag in Deutschland erstmals gesetzlich verankert.
Bis heute ist er ein wichtiger Eckpfeiler des Arbeitsschutzes. Wir blicken auf die bewegte
Geschichte des Achtstundentags seit seiner Einführung 1918 zurück. Die BAuA-Arbeitszeit-
befragung liefert aktuelle Zahlen. So machen 66 Prozent der Beschäftigten spätestens
neun Stunden nach Arbeitsbeginn Feierabend. 11 Prozent sind aber länger als zehn Stunden
bei der Arbeit. Lange Arbeitszeiten gehen mit mehr gesundheitlichen Beschwerden einher.

Zu Zeiten der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert waren tägliche Arbeitszeiten
von 12 bis 14 Stunden keine Seltenheit. Mit dem Slogan "Acht Stunden Arbeit, acht
Stunden Freizeit und Erholung und acht Stunden Schlaf" griff erstmals Robert Owen,
ein walisischer Unternehmer und Sozialreformer, den Achtstundentag auf. Dieser ent-
wickelte sich auch in Deutschland zu einer zentralen Forderung der Arbeiterbewegung.

Vor genau 100 Jahren wurde der Achtstundentag hierzulande eingeführt. Die Arbeitgeber-
verbände wollten nach der Novemberrevolution von 1918 verhindern, daß Fabriken in
staatliches Eigentum übergingen. Daher erkannten sie die Gewerkschaften als Vertreter
der Arbeiter im Stinnes-Legien-Abkommen an, das nach den beiden Verhandlungsführern
benannt ist. Zugleich stimmten sie der Verkürzung der Arbeitszeit auf acht Stunden bei
vollem Lohnausgleich zu. So wurde der Achtstundentag in Deutschland 1918 zunächst für
Arbeiter und 1919 auch für Angestellte eingeführt. Auch viele Unternehmen profitierten
davon, da durch verkürzte Arbeitszeiten oftmals die Produktivität stieg.

Mit den Arbeitszeitverordnungen von 1923 und 1938 wurden durch Ausnahmeregelungen
auch wieder Zehnstundentage zugelassen. In den Kriegsjahren waren die meisten
Arbeitszeit-Schutzvorschriften außer Kraft gesetzt und erst 1946 wurde der Achtstunden-
tag durch den Alliierten Kontrollrat wieder eingeführt.

Ab 1956 warb der Deutsche Gewerkschaftsbund unter dem Motto "Samstags gehört Vati
mir" für die Einführung der Fünftage- bzw. Vierzigstundenwoche. Daraufhin setzte sich
das arbeitsfreie Wochenende zunehmend durch. In den kommenden Jahrzehnten wuchs
in der Arbeitnehmerschaft der Wunsch nach kürzeren Arbeitszeiten. 1984 konnten
monatelange Tarifverhandlungen und mehrwöchige Streiks erst durch ein Schlichtungs-
verfahren beendet werden. Im sogenannten Leber-Kompromiß wurden Arbeitszeitver-
kürzungen an eine flexiblere Verteilung von Arbeitszeiten gekoppelt. So ermöglichten
Betriebsvereinbarungen etwa individuelle Arbeitszeiten zwischen 37 und 40 Stunden
pro Woche, sofern eine durchschnittliche betriebliche Arbeitszeit von 38,5 Stunden ein-
gehalten wurde.

Mit dem Arbeitszeitgesetz, das 1994 in Kraft trat, wurde europäisches Recht umgesetzt
und der Achtstundentag an den sechs Werktagen pro Woche mit einigen Einschränkungen
festgeschrieben.

Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).
https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Fakten/100-Jahre-Achtst ... onFile&v=3

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