Heinz-Georg ('Schorsch') Harbauer.

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Moderator: -sd-

Heinz-Georg ('Schorsch') Harbauer.

Beitragvon -sd- » 16.06.2015, 18:24

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Heinz Georg Harbauer
(* am 1. Juli 1943 in Asch, heute Tschechien) ist ein deutscher Gewerkschafter.
Er war Mitglied des Bayerischen Senats.

Harbauer besuchte die Volks- und die Berufsschule in Selb (Oberfranken) und legte die Prüfung
zum Industriekaufmann ab. Daraufhin war er drei Jahre lang in der Textil- und Keramikindustrie
angestellt. Nach einer zweijährigen Tätigkeit in der Bundeswehr studierte er an der Akademie
für Betriebswirtschaft.

1966 begann seine hauptamtlich Tätigkeit bei der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft. Dort
war er zunächst Landesjugendleiter in Bayern und Bundesjugendsekretär in Hamburg, danach
Geschäftsführer und Bezirksleiter in Mannheim, später in München, danach Landesverbandsleiter
und Vorsitzender des DAG-Bildungswerkes in Bayern und nach der Wende kurzfristig auch
Landesverbandsleiter in Sachsen. In dieser Zeit war er auch Vorsitzender des Aufsichtsrats
der Bauprojektierung Plauen. Daneben war Harbauer ab 1973 Arbeitsrichter, ab 1978 Landes-
arbeitsrichter und ab 1983 für zwei Jahrzehnte Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der
[Bayerische Vereinsbank|Bayerischen Vereinsbank] bzw. HypoVereinsbank.

Von 1984 bis zur Auflösung 1999 gehörte Heinz Georg Harbauer dem Bayerischen Senat an.
1987 wurde er zudem Mitglied des Verwaltungsrats der Bayerischen Landeszentrale für neue
Medien. Harbauer gehörte zu den "Gründungsvätern" der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft/
Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) in Bayern und wurde 2001 zum stellvertretenden
Landesbezirksleiter gewählt; er übernahm das Ressort Bildung in der Landesbezirksleitung
Bayern. Das Bildungswerk der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft in Bayern leitete er als
Vorstandsvorsitzender bis 2005.

Quelle: http://lexikon.freenet.de/Heinz_Harbauer

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Dankenswerterweise mitgeteilt von Hans-Dieter Zemke, Kornwestheim.


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Heinz Georg Harbauer

Mitgliedschaft im Bayerischen Parlament: Senat: 01.01.1984-31.12.1999

Ausschuß für Kulturpolitik (Senat) (1984) Mitglied 1984/1999.
Ausschuß für Sozial-, Gesundheits- und Familienpolitik (Senat) (1984) Mitglied 1984/1999.
Ausschuß für Sozial-, Gesundheits- und Familienpolitik (Senat) (1992) 2. stv.Vorsitzender 1992/1995.
Ausschuß für Sozial-, Gesundheits- und Familienpolitik (Senat) (05.10.1995) 1. stv.Vorsitzender 1995/

Weitere Funktionen: 1990 Präsidium (Senat) Interims-Schriftführer.

Quelle: http://www.hdbg.de/parlament/content/persDetail.php?id=3515
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Dankenswerterweise mitgeteilt von Hans-Dieter Zemke, Kornwestheim.


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Heinz-Georg Harbauer, Bayerns letzter DAG-Chef, feiert seinen 65. Geburtstag.
1943-2008: Eine Zwischenbilanz.


Seit 1961 führst Du ein politisch bewegtes Leben. Was treibt Dich bis heute an ?

Heinz-Georg Harbauer: Tatsächlich engagiere ich mich seit 1961 – damals war ich gerade mal 18 Jahre alt –
in der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG). Ich bin aufgrund einer Empfehlung eines Schulfreundes
Mitglied der DAG geworden. Noch im selben Jahr habe ich eine Jugendgruppe gegründet. Von da an habe
ich 30 Jahre in verschiedenen Funktionen und Gremien der DAG gewirkt; ab Juli 2001 war ich dann als
stellvertretender ver.di-Landesvorsitzender in Bayern tätig.
Was mich antreibt ? Die Ungerechtigkeiten in dieser Welt !

Damals wie heute ?

Heinz-Georg Harbauer: Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der die Lehrer und Lehrerinnen noch durch
ihre Ausbildung im Nationalsozialismus geprägt waren. Das hatte natürlich Auswirkungen auf die Art und
Weise ihres Unterrichts. Das provozierte schon damals meinen Widerspruch. Hinzu kommt, daß ich in Selb
aufgewachsen bin. Dort gab es in der Nachkriegszeit fast nur Betriebe der Porzellanindustrie. Die Firmen
sprachen sich untereinander ab. Ein Wechsel von einer Porzellanfirma zu einer anderen war nur dann
möglich, wenn man dazwischen mindestens sechs Monate bei einem dritten Unternehmen gearbeitet
hatte. Was damals der Standortsicherung dienen sollte, erwies sich Jahrzehnte später beim Wegfall des
'Eisernen Vorhangs'als erheblicher Nachteil für diese Region in Oberfranken. Die Ungerechtigkeiten
in dieser Welt sind nicht weniger geworden.

Was hat sich in der politischen / gewerkschaftlichen Arbeit geändert ?

Heinz-Georg Harbauer: In der tarifpolitischen Auseinandersetzung zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften
vermisse ich heute die Verläßlichkeit der Arbeitgeberseite. Die steht häufig nicht mehr zu ihrem Wort. Was früher
mit einem Handschlag beschlossen wurde, war verbindlich für beide Seiten und diese haben sich dann an die
Vereinbarungen gehalten. Die Arbeit eines Gewerkschafters ist aber nicht nur deshalb schwieriger geworden.
In der Politik beklage ich ein zunehmendes Karrieredenken. Viele junge Leute, die heute in die Politik gehen,
suchen im Wesentlichen eine Einkommensquelle und wollen nicht zwingend die Gesellschaft gestalten.

Stichwort Weiterbildung von Betriebs- und Personalräten –
Du warst lange Zeit im Bereich gewerkschaftliche Bildung tätig …


Heinz-Georg Harbauer: Die Erwachsenenbildung, insbesondere die gewerkschaftlichen Bildungsmaßnahmen
haben dazu beigetragen, unsere Gesellschaft zu stabilisieren. Die Menschen sind dadurch selbstbewußter
geworden und setzen ihre Interessen besser durch. Inhalte und Methoden der Bildungsarbeit haben sich
im Lauf der Jahre zwar verändert – prinzipiell brauchen aktive Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen
auch heute die gleichen Grundkenntnisse und -fähigkeiten wie früher. Sie müssen Bilanzen lesen können,
rhetorisch gebildet sein und 'Nerven wie Drahtseile' haben.

Solidarität war für Dich immer wichtig, u. a. beim Aufbau der DAG in Sachsen …

Heinz-Georg Harbauer: Das war damals – 1989 – eine meiner schwierigsten Aufgaben, weil wir unter dem
Druck standen, unsere bundesweite Existenzberechtigung als DAG nachzuweisen. Wäre es uns nicht gelungen,
in den neuen Bundesländern eine starke Angestellten-Gewerkschaft zu etablieren, hätte das sicherlich starke
negative Folgen für unsere Arbeit in den alten Bundesländern gehabt. Den DGB-Gewerkschaften ging es ähnlich.
In den Monaten dieser Aufbauarbeit bin ich um viele Einsichten, Erfahrungen und Freundschaften reicher geworden.
Gelebte Solidarität an jedem Tag.

Andere herausragende Stationen in Deinem politischen Leben …

Heinz-Georg Harbauer: Als eine der ersten wichtigen politischen Erfahrungen habe ich erlebt, was es bedeutet,
eine Wahl zu verlieren. Ich wollte 1971 DAG-Bundesjugendleiter werden, bekam aber dafür keine Mehrheit. Auch
wenn das damals nicht leicht zu verkraften war, letztlich hat mich diese Erfahrung als Demokrat stark gemacht.
Ein Höhepunkt in meinem Berufsleben war 1977 die direkte Wahl zum Aufsichtsratsmitglied eines deutschen
Stahlunternehmens. Ich war erst 34 Jahren alt und somit das jüngste Mitglied eines Aufsichtsrats in Deutschland.
Das wichtigste berufliche Ereignis war jedoch 1983 meine Wahl zum Landesverbandsleiter der DAG in Bayern und
die dreimalige Wiederwahl in diesem Amt, das ich leidenschaftlich gern - ich denke auch erfolgreich - ausübte.
1984 wurde ich in den Bayerischen Senat gewählt, dem ich bis zu seinem Ende 1999 angehörte. Ich habe diese
politische Arbeit immer als Fortsetzung meines gewerkschaftlichen Wirkens verstanden und die Durchsetzungs-
möglichkeiten, die sich dadurch ergaben, intensiv genutzt.

Und dann der Übergang von der DAG zu ver.di. Wie hast Du diesen Prozess erlebt ?

Heinz-Georg Harbauer: Innerhalb der DAG hatten wir immer wieder über eine Veränderung der gewerkschaft-
lichen Landschaft in Deutschland diskutiert. Mit der Wahl von Roland Issen 1987 zu unserem Vorsitzenden hatten
diese Diskussionen nicht nur bei uns eine neue Dynamik erhalten. Gleichwohl hatte ich nicht daran geglaubt, daß
es jemals zu einem Zusammenschluss über gewerkschaftliche Organisationsgrenzen hinweg kommen würde.
Die deutsche Wiedervereinigung hat diesen Integrationsprozess dann hilfreich beschleunigt. Aber der Weg zur
Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft war hart, steinig und manchmal nicht zum Aushalten.

Sieben Jahre ver.di; dein vorläufiges Resümee …

Heinz-Georg Harbauer: Der Weg zu ver.di war notwendig und richtig. Mindestens ebenso wichtig waren dann
auch die verstärkte Kooperation und der Zusammenschluß zu internationalen Gewerkschaftsbünden im Dienst-
leistungssektor. Ich bin heute noch stolz darauf, daß ich 2001 in Berlin als Delegierter die Union Network
International mit gründen durfte.

Die Stimmung ist heute eher pro Gewerkschaften. Wie kann das dauerhaft genutzt werden ?

Heinz-Georg Harbauer: Die positive Darstellung der Gewerkschaften in der veröffentlichten Meinung war schon
immer und ist schwierig, weil es meist nur Berichte über Arbeitskämpfe gab und gibt. Diese Art der öffentlichen
Präsentation durch andere engt das Bild gewerkschaftlichen Wirkens für eine solidarische Gesellschaft deutlich
ein. Ich bedauere das. Aber ich denke, daß spektakuläre Meldungen über Insolvenzen, Firmenverkäufe und
drastische Managementfehler, die Mißachtung von Grundrechten der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen durch
Unternehmensleitungen deutlich gemacht haben, daß eine Gesellschaft starke Gewerkschaften braucht, wenn
Solidarität nicht zu einer Worthülse verkommen und Teilhabe der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am wirt-
schaftlichen Wachstum sichergestellt werden soll.

65 Jahre – eine Zwischenbilanz eben.
Wie sieht Dein politisches Leben im 66. Lebensjahr und darüber hinaus aus ?


Heinz-Georg Harbauer: Ich engagiere mich in meinem Stadtbezirk in München. Ich arbeite deshalb in der Senioren-
vertretung der Landeshauptstadt München und der Senioren-Union der CSU engagiert mit. Teile unserer
Gesellschaft gehen mit älteren Menschen in einer Art und Weise um, dass man vor Wut nur noch schreien möchte.
Doch das hilft ja nicht. Also arbeiten, sich engagieren und das Maul aufreißen. Im Augenblick arbeite ich mit Gleich-
gesinnten an einem Konzept zum Erhalt der gesetzlichen Rentenversicherung. In der Sozialpolitik vollzieht sich
schleichend eine der größten und schlimmsten Veränderungen – die Entstaatlichung der Sozialversicherungssysteme.
Großbritannien und einige Länder Südamerikas haben uns vorgemacht, wie man damit gehörig auf die Nase fallen
kann, wenn staatliche Versicherungssysteme in private Hände geraten. Dies ist gilt es zu verhindern.
Dafür arbeite ich.

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Dieter Sommerfeld, Landesjugendleiter der DAG in NRW,
und
Heinz-Georg Harbauer, Landesjugendleiter der DAG in Bayern,
im Gespräch:


dag-bilder/sommerfeld-harbauer-1970er.jpg

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Mehr Gemeinsamkeiten der Sozialpartner erforderlich:
dag-bilder/personen/heinz-georg-harbauer-1984.jpg


Quelle: Bayerische Staatszeitung, 21. Dezember 1984.

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