Günter Ploß ?

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Günter Ploß ?

Beitragvon -sd- » 01.06.2010, 13:08

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Karin von Welck und Günter Ploß: Zwei charakterliche Gegenspieler,
die sich in zähen Verhandlungen über die Sportstadt Hamburg auf Distanz halten.


Unter der Überschrift 'Kuscheln und beißen' schrieb Rainer Grünberg
in der Wochenend-Ausgabe des Hamburger Abendblatts vom 29./30. Mai 2010 folgenden Artikel:


Die Ethnologin und Linguistin Prof. Dr. Karin von Welck, 63, parteillos, ist seit sechs Jahren
Hamburgs Senatorin für Kultur, der Diplom-Betriebswirt Günter Ploß, 62, Mitglied der SPD,
seit fünf Jahren Präsident des Hamburger Sportbundes (HSB). Vor zwei Jahren begannen
sich ihre Wege regelmäßig zu kreuzen. Damals übernahm von Welck zusätzlich die Leitung
der Ressorts Sport und Medien. Den Vorwurf von SPD und Linken, sie habe sich dabei
übernommen, kontert sie professionell: "Eigentlich ist es schade, daß Oppositionspolitiker
meinen, sich über solche Äußerungen profilieren zu müssen."

Von Welck und Ploß pflegen seit ihrer ersten offiziellen Begegnung im Mai 2008 den diskre-
ten Umgang zwei Interessenvertreter, nach außen harmonisch, im Innenverhältnis, dann,
wenn es ums Geld geht, hart in der Sache, aber moderat um Ton. Der wurde in dieser
Woche zum ersten Mal rauer, als Ploß von 'einem verheerenden sportpolitischen Signal'
des Senats sprach. Darum geht es: Um das Tennisturnier am Rothenbaum und das Galopp-
Derby in Horn, zwei Hamburger Veranstaltungen mit mehr als 100 Jahren Tradition und
internationaler Beachtung, zu unterstützen, will die Regierung die Verwendung von
600.000 Euro aus dem Sportett umwidmen. Das Geld soll aus dem Haushaltstitel Instand-
setzung und Sanierung von Sportanlagen genommen werden. Die Kontroverse war schnell
aufgebaut: Großveranstaltungen kontra Breitensport, von Welck gegen Ploß.

So hat es auch Frank Horch, der Präses der Handelskammer, empfunden. Er warnt davor,
beide Bereiche und vor allem beide Personen gegeneinander auszuspielen. "Das Thema
hat in der Öffentlichkeit eine Zuspitzung erhalten, die unangemessen und von den Betei-
ligten nicht gewollt ist", sagte Horch dem Abendblatt. "Wir wollen Hamburg auf allen
Gebieten weiterentwickeln, dazu gehört auch die Sportstadt Hamburg. Da muß es doch
möglich sein, daß der Breitensport dem Spitzensport hilft - wie auch umgekehrt." Schließ-
lich wolle die Stadt in der laufenden Legislaturperiode (2008-2012) rund 36 Millionen Euro
ausgeben, um die sportliche Infrastruktur zu verbessern. 20 Millionen stammen aus dem
Konjunkturprogramm II der Bundesregierung. Horch versteht seine Rolle als Mediator.
Sein gelebtes Credo: "Jedes Gespräch ist besser als kein Gespräch."

An der Kommunikation mag es in der Tat zuletzt gehapert haben. Die Behörde glaubt,
den Hamburger Sportbund rechtzeitig über die Senatspläne informiert zu haben, der HSB
wiederum klagt, erst nach Versendung der Drucksache am 4. Mai davon erfahren zu haben.
Die Erfahrung lehrt, daß Papier weit weniger geduldig ist als oft angenommen. Statt in
schwieriger Haushaltslage im Vorwege eine gemeinsame Lösung zu suchen, fühlten sich
Sportvereine und -verbände vor Tatsachen gestellt - und geprellt. Den Antrag endgültig
von der Tagesordnung der Bürgerschaft zu bekommen, dürfte inzwischen schwierig werden.
Die Chance, wenn sie denn überhaupt bestand, ein heikles Thema geräuschlos zu klären,
wurde vertan.

Karin von Welck mag es gern Kuschelig: atmosphärisch zumindest. Sie liebt es, ihre Gesprächs-
partner verbal zu umarmen, an ihre Verantwortung für das Allgemeinwohl zu appellieren, um
sie für ihre Sache zu gewinnen. Sie verteilt dafür Komplimente, manchmal übertreibt sie dabei.

Günter Ploß, der den HSB mit seinen 534.000 Mitgliedern und 799 Vereinen ehrenamtlich führt,
ist Gesundheitsmanager, Leiter der Landesvertretung Hamburg des Verbandes der Ersatz-
kassen. Unzählige Honorar-Verhandlungen mit Ärzten und Zahnärzten haben ihn gestählt.
Er sei in solchen Runden ein Terrier, der beharrlich das Interesse seiner Organisation verfolge,
sagen Teilnehmer dieser Debatten.

Diese charakterlichen Gegensätze mögen nicht gerade anziehend sein, ihren bisherigen
Verhandlungen haben sie aber nicht geschadet. In dieser Woche unterzeichneten von Welck,
Ploß und Dirk Fischer, CDU, der Präsident des Hamburger Fußballverbandes, einen neuen
Sportfördervertrag. Er gilt für die Jahre 2011 und 2012 und sichert dem Hamburger Sport
weiter eine verläßliche finanzielle Basis. Die Grundförderung beläuft sich auf 6,3 Millionen
Euro im Jahr. Alle Seiten begrüßten die Vereinbarung. Allerdings: Verlierer, die sich dazu
bekennen, gibt es bei derartigen Abschlüssen selten.

Quelle:
Hamburger Abendblatt vom 29./ 30. Mai 2010, S. 2 ('Meinung').
Verfasser: Rainer Grünberg.

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Günter Ploß weiter Sportbund-Präsident.

Beitragvon -sd- » 20.06.2010, 11:15

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Wer wird neuer Sportbund-Präsident ?
Machtkampf zwischen Amtsinhaber Günter Ploß und seinem Stellvertreter Erhard Erichsen.


Günter Ploß oder Ehrhard Erichsen - das ist an diesem Sonnabend die Frage, wenn die Mitglieder
des Hamburger Sportbundes (HSB) ihren neuen Präsidenten wählen. Was nach einem Machtkampf
zwischen dem 62 Jahre alten Amtsinhaber Ploß (seit 2005) und einem seiner sechs Vizepräsidenten
klingt, ist ein skurriles Ränkespiel hinter den Kulissen, in dem es um politischen Einfluß und die
Begleichung alter Rechnungen zu gehen scheint.

Dabei ist Ploß' Leistungsbilanz respektabel. Die Stadt wird bis 2012 inklusive der Sanierungsoffensive
für Plätze, Hallen, Trainingsanlagen und Lehrschwimmbecken auch dank Konjunkturmitteln der Bundes-
regierung mehr Geld für den institutionellen Sport ausgegeben als je zuvor, rund 67 Millionen Euro
in vier Jahren. Und Erichsen ist ein Teil dieser zumindest pekuniären Erfolgsgeschichte.

Mit rund 533 000 Mitgliedern in 799 Klubs ist der HSB die mit Abstand größte Personenvereinigung
der Stadt. Die gesellschaftspolitische Kraft indes hat der HSB in seiner Geschichte nie verstanden
auszuüben. Im Rathaus würdigt zwar jeder die Bedeutung mit wohlfeilen Worten, einen beachtens-
werten Machtfaktor aber sieht im Senat niemand in den Sportlern. Dennoch geht es bei der Abstim-
mung über SPD-Mann Ploß und seinen CDU-Kontrahenten Erichsen, 71, auch um Parteipolitik.
Volker Okun, 62, ehemaliger CDU-Bürgerschaftsabgeordneter, ist seit 1991 Schatzmeister des
Hamburger Fußballverbandes (HFV). Er ist die treibende Kraft, die an der Spitze des HSB ein CDU-
Mitglied sehen will.

Die Kandidatenwahl geriet schwierig. Rolf Reincke, 46, CDU-Bürgerschaftsabgeordneter und HSB-
Vizepräsident Leistungssport, wollte - und dann doch wieder nicht. Hamburgs Leichtathletik-
Präsident Wolfgang Müller-Kallweit, 43, der für Okun 2005 in die Bürgerschaft nachrückte, hätte
für einen Generationswechsel stehen können. Die Partei ließ ihn schnell wieder fallen. Kaum einer
traute ihm den Job zu. Der ehemalige Sportstaatsrat Andreas Ernst, 39, winkte von vornherein ab,
die frühere Sportsenatorin Alexandra Dinges-Dierig, 57, ist vorbelastet, weil sie vor sechs Jahren
vom HSB einen Millionenbeitrag für die - bis heute - unentgeltliche Nutzung öffentlicher Sportanlagen,
die sogenannte Hallensteuer, forderte.

Also Erichsen. Der wollte schon immer. Bereits 2005, damals Vizepräsident unter Ploß' Vorgänger
Klaus-Jürgen Dankert, lotete er seine Chancen zum Sturz des Präsidenten aus. Dankert hatte sich
in den Verhandlungen mit der Stadt um die Hallensteuer ins sportpolitische Abseits manövriert.
Erichsen hatte die Gespräche begleitet. Er galt damals in der CDU als ungeeignet.

Stattdessen löste Ploß, ehemaliger Vizepräsident des Deutschen Volleyballverbandes, Dankert ab
und schuf mit dem damaligen HFV-Präsidenten Dr. Friedel Gütt ein Vertragswerk mit der Stadt, das
den Sportbund zwar zum Sparen zwang, andererseits mittelfristig seine finanzielle Existenz sicherte.
Mit Gütts Nachfolger Dirk Fischer verhandelte Ploß später den aktuellen Sportfördervertrag aus.
Fischer war es dann auch, der Erichsen in der vergangenen Woche seine Kandidatur ausreden
wollte. Seine Botschaft: Machtkämpfe schwächten den Sport in schwierigen politischen Zeiten.
Erichsen ließ sich von seinem Vorhaben nicht abbringen.

Sein größter Unterstützer ist Friedel Gütt, 77, Ehrenpräsident des HSB und des HFV. Der ehemalige
SPD-Staatsrat, inzwischen zur CDU übergetreten, macht für Erichsen Wahlkampf bei Verbänden
und mitgliederstarken Vereinen. Entgegen anders lautender öffentlicher Bekundigungen hat Gütt
im Hintergrund, seinem bevorzugten Terrain, Ploß stets bekämpft. Da mögen persönliche Gründe
eine wichtige Rolle spielen, entscheidend dürfte sein, daß Gütt seit Ploß' Amtsübernahme im
HSB an Einfluss verloren hat.

Der Ausgang der Wahl ist offen. Erichsen vom Harburger SC, ein Mann zum Anfassen, genießt viel
Sympathie bei kleineren Klubs, als dessen Anwalt er sich versteht. Karsten Bode, hauptamtlicher
Geschäftsführer der Hausbruch-Neugrabener Turnerschaft (HNT) beschreibt ihn als "einen, der
alles so haben will, wie es früher war". Tradition, das spricht für Erichsen, bleibt im Sport ein
wichtiger Wert. Ploß vom Walddörfer SV, im Beruf Gesundheitsmanager, setzt auf Veränderungen.
Er will den Verband künftig noch stärker zum Dienstleister für Vereine und Verbände ausrichten.

Quelle:
Hamburger Abendblatt vom 19. Juni 2010.
Verfasser: Rainer Grünberg.

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Günter Ploß bleibt Präsident des Hamburger Sportbundes (HSB).
Ploß schlug seinen Herausforderer Erichsen mit 66 Prozent der Stimmen.


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Beitragvon Tossd » 09.03.2011, 12:28

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War eigentlich gegen Günter Ploß, muß allerdings eingestehen, daß er
seinen Job bisher ganz gut gemacht hat, wollte das hier mal anmerken.
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Gruß, Manuel

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