Dalibor zum Aus für Konradshöhe.

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Dalibor zum Aus für Konradshöhe.

Beitragvon -sd- » 23.06.2017, 18:26

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Konradshöhe ist Geschichte. Keine Alternative
ver.di-Jugendbildungsstätte schließt endgültig.


Ulrich Dalibor, Vorsitzender des jbs-Trägervereins,
zum Aus für die ver.di-Jugendbildungseinrichtung
in Berlin-Konradshöhe.

Kollege Dalibor, der im Herbst 2016 neu
konstituierte jbs-Trägerverein hat versucht,
den traditionsreichen Standort für Jugend-
bildungsarbeit, zu dem Willi Brandt 1959
den Grundstein legte, in letzter Minute zu
retten bzw. Alternativen aufzutun. Das ist
nicht gelungen.


Ulrich Dalibor: Trotz vieler Aktionen zur
Rettung des Hauses, trotz zahlreicher Unter-
stützer, offener Briefe und Protestdemo: Über
die zum Jahresende 2016 ausgesprochene
Kündigung ließ die ver.di-Immobiliengesellschaft,
die das lukrative Grundstück an der Havel ver-
äußern will, nicht mehr mit sich reden. Wir
konnten nur einen Aufschub bis 31. März
dieses Jahres aushandeln. Bis dahin muß das
Haus geräumt sein. Es soll angeblich danach
abgerissen werden. Natürlich wurde nach
Alternativen zur Fortsetzung der auch vom
Berliner Jugendsenat als sehr wertvoll einge-
stuften und finanziell geförderten Bildungs-
arbeit gesucht. Doch eine geeignete Einrichtung
war bislang nicht zu finden.

Aber es gab ein Angebot ?

Wir sind der AWO dankbar, ihr Jugendkultur-
zentrum »Pumpe« in der Nähe des Berliner
Lützowufers angeboten zu haben. Aber das
Haus war und ist für unsere Zwecke nicht
oder nur schlecht geeignet. Das haben
wir uns genau angesehen. Es hätte größere
und teure Umbauten erfordert. Vier Instituti-
onen haben wir um Unterstützung angeschrieben.
Antwort kam von AWO und Senat.
Vom ver.di-Bundesvorstand haben wir nichts
gehört, ein Termin mit der ver.di-Immobilien-
gesellschaft kam zu kurzfristig vor unserer Mit-
gliederversammlung. Um weiterzumachen,
hätten wir zudem die Zusage von ver.di zum
längerfristigen Aufrechterhalten des jährlichen
Mietzuschusses gebraucht. Unter diesen unge-
wissen Bedingungen mußten wir von einem
Umzug Abstand nehmen. Zudem steht das
erfahrene, engagierte und hoch leistungsfähige
Personal nicht mehr zur Verfügung. Wir waren
gezwungen, den Beschäftigten ebenfalls zu kündi-
gen. Das war sehr schmerzlich. Auch, daß sich
unser Verein auflösen wird.

Was bleibt ?

Ich nehme bei aller Frustration mal das Gute:
die Gewissheit, daß wunderbare Erlebnisse
für junge Menschen möglich sind, wenn Gewerk-
schaft und Bildungsstätte gut zusammenarbeiten.
Das darf bei ver.di nicht vergessen werden ! Ich
war qua Amt einst als DAG-Landesjugendleiter
schon einmal für Konradshöhe mitverantwortlich
und habe beste Erinnerungen an Nutzen und Erfolg
von Jugend-Bildungsarbeit. Zuletzt habe ich dort –
noch als ver.di-Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel,
der ich bis zu meinem Renteneintritt war – ein
internationales Jugendcamp mit 40 jungen Leuten
aus aller Welt mitorgansiert. Das war die letzte
große jbs-Veranstaltung im September 2016.
Die jungen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter
haben sich mit Perspektiven ihrer Arbeit auseinander-
gesetzt und sich auf die UNI-Welthandelskonferenz
im Juni 2017 in Berlin vorbereitet. Bis heute s
chwärmen sie über Facebook von den unvergeßlichen
Tagen. Doch wenn viele der Teilnehmer im Juni zur
Konferenz zurückkommen und vielleicht einen
Abstecher an die Havel planen, werden sie vor
verschlossenen Türen stehen. Konradshöhe
ist dann Geschichte.

INTERVIEW: BETTINA ERDMANN

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Quelle: SPRACHROHR. Mitgliederzeitung
des Fachbereichs Medien, Kunst und Industrie
Berlin-Brandenburg. 27. Jahrgang Nr. 1 / März 2017
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