Heinrich Schöttker, Gründer der GdB in der DAG.

Menschen und Charaktere. Herausragende Persönlichkeiten der gewerkschaftlichen Angestelltenbewegung.

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Heinrich Schöttker, Gründer der GdB in der DAG.

Beitragvon -sd- » 30.11.2009, 15:57

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Der Gründer der Gewerkschaft der Bergbauangestellten in der DAG, Heinrich Schöttker,
fand schon frühzeitig den Weg zur Gewerkschaftsbewegung.

Am 7. März 1891 in Essen-Katernberg geboren, verfuhr er am 1. April 1905 auf der Zeche
'Zollverein 4/5' seine erste Schicht als Jungbergmann. Nach Besuch der Bergvorschule in
Essen und der Bergschule in Bochum wurde er am 1. April 1913 als Grubensteiger auf der
Zeche 'Wilhelmine-Victoria' in Gelsenkirchen angestellt. Anschließend genügte er seiner
Militärpflicht und war Teilnehmer des 1. Weltkriegs bis November 1918.

Von 1919 bis zur Auflösung der Gewerkschaften 1933 war er einer der führenden ehren-
amtlichen Mitarbeiter des 'Bundes der technischen Angestellten und Beamten (Butab)
'.

Mit dem Inkrafttreten des ersten Betriebsrätegesetzes wurde er erstmalig 1920 in den
Betriebs- und Angestelltenrat gewählt und blieb ununterbrochen bis 1933 Vorsitzender
des Angestelltenrates. Im gleichen Zeitraum war Heinrich Schöttker Angestelltenältester,
Mitglied der Selbstverwaltungskörperschaften der Ruhrknappschaft in Bochum und der
Reichsknappschaft in Berlin, Beisitzer des Knappschafts-Oberversicherungsamtes in
Dortmund, Beisitzer im Knappschaftssenat des damaligen Reichsversicherungsamtes
Berlin, Mitglied des Reichskohlenrats und vieler anderer Körperschaften.

Im April des Jahres 1933 wurde er durch die damalige NSDAP seiner Ämter enthoben
und von der Werksleitung gekündigt. Er schlug sich durch die Eröffnung und Führung
eines Zigarren-, Papier- und Schreibwarengeschäfts bis zum Beginn des 2. Weltkriegs
durch, wurde Soldat, geriet bei Cherbourg in amerikanische Gefangenschaft und kehrte
1946 aus den USA zurück.

Nach der Heimkehr im Jahre 1946 versuchte man, ihn zur Mitarbeit in der damals schon
gegründeten IG Bergbau zu bewegen. Heinrich Schöttker lehnte es ab, weil er in der
Unselbständigkeit der Bergbauangestellten in der IG Bergbau eine große Gefahrenquelle
für die Wahrung der Rechte der Bergbauangestellten sah. Dem vielfachen Drängen gab
er schließlich 1948 doch nach und glaubte, daß es ihm möglich sei, durch seine aktive
Mitarbeit innerhalb der IG Bergbau die Rechte der Angestellten, vor allem auf knapp-
schaftlicher Ebene, wieder herstellen zu können. Dieses Vorhaben mißlang.

Nachdem im April 1950 der Hauptvorstand der IG Bergbau die Wiederherstellung der
Rechte der Bergbauangestellten in der Knappschaft endgültig abgelehnt hatte, zog
Heinrich Schöttker die Konsequenzen aus dieser Haltung. Er trat von seinen Ämtern
innerhalb der IG Bergbau zurück und erklärte dem damaligen Vorsitzenden seinen
Aus- und Rücktritt.

Im Verein mit fünf Bergbauangestellten aus Ibbenbüren wurde die Gründung einer selb-
ständigen, auf beruflicher Grundlage stehenden 'Gewerkschaft der technischen und
kaufmännischen Bergbauangestellten' besprochen und ins Leben gerufen. Diese wurde
auf dem Verbandstag am 26./27. Juni 1954 in Essen in die 'Gewerkschaft der Bergbau-
angestellten' umgewandelt und führt diesen Namen offiziell seit dem 1. Juli 1954
.

Wenn unsere Gewerkschaft trotz aller Schwierigkeiten und Anfeindungen seitens der
IG Bergbau heute schon 200 Betriebsgruppen zählt, dann kann die Leistung Heinrich
Schöttkers nur als einmalig in der Geschichte der Angestellten-Gewerkschaftsbewegung
bezeichnet werden.

Die Befreiung der Angestellten aus Bevormundung, Unterdrückung, Rechtlosigkeit und
Vermassung ist und bleibt eine zwingende Notwendigkeit nicht nur der Angestellten wegen,
sondern auch um der Wirtschaft und um der Gemeinschaft willen. Darum ist es kein Zufall,
daß Heinrich Schöttker die Gewerkschaft der Bergbauangestellten 1954 mit der DAG
zusammenführte, die das Befreiungswerk der Angestellten in der übrigen Wirtschaft
vorwärtstreibt. Heinrich Schöttker hat seine ganze Kraft, sein reiches Wissen und Können
in den Dienst dieser Aufgabe gestellt.

Er ist wohl der geeignetste Interpret der Entwicklungsgeschichte unserer Gewerkschaft von
ihren ersten Anfängen an. In dieser Gewerkschaftsgeschichte, die wir mit vielen Dokumenten
belegt haben, zeigt uns unser am 17. Februar 1960 verstorbener Bundesberufsgruppenleiter
Heinrich Schöttker, welche Energie und welcher Idealismus dazu gehörte, seinerzeit
praktisch aus dem Nichts heraus eine selbständige Gewerkschaft der Bergbauangestellten
zu gründen und sie bis zu der stolzen Größe der Gegenwart zu führen.

Sein Wirken wird uns allen Vorbild bleiben.

Gewerkschaft der Bergbauangestellten in der DAG

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