Emil Blechschmidt starb 54jährig am 12. März 1974.

Emil Blechschmidt starb 54jährig am 12. März 1974.

Beitragvon -sd- » 08.04.2016, 12:22

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Emil Blechschmidt starb 54jährig am 12. März 1974:
http://dag-forum.de/dag-bilder/emil-blechschmidt-verstorben-1974-1.jpg


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Emil Blechschmidt (1920-1974): dag-bilder/personen/emil-blechschmidt.jpg

dag-bilder/dag-jugend/ortmann-blechschmidt-1957-1.jpg
dag-bilder/dag-jugend/nn-blechschmidt-1957-1.jpg
dag-bilder/dag-jugend/blechschmidt-kongress-hh-1954.jpg


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Drei Fotos wurden dankenswerterweise von Hans-Jörg Peemann, Berlin,
zur Verfügung gestellt.



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Heinz-Georg Harbauer: Meine Zeit mit Emil Blechschmidt.

Meinen ersten persönlichen Kontakt mit Emil Blechschmit hatte ich am Telefon. 1971 nach der Bundesjugendkonferenz.
Ich hatte für den Bundesjugendleiter kandidiert, wurde nicht gewählt, und die versprochene Stelle im Ressort Bildung
war "plötzlich verschwunden".

Natürlich kannte ich E.B. vom Hörensagen und von einer Konferenz in Stuttgart. Er war mein Vor-Vor-Vorgänger als
Landesjugendleiter in Bayern, der ich dieses Amt von 1967 bis 1969 innehatte. Nur Gutes hörte man über ihn und viel
von seinen sportlichen Aktivitäten.

Rolf Spaethen hatte alle Gewerkschaftsekretäre und -sektretärinnen der Landesverbände Baden-Württemberg,
Reinland-Pfalz, Saar, Hessen und Bayern nach Stuttgart eingeladen. Wir erlebten den DAG-Vorsitzenden als
"strengen Volkshochschullehrer", der uns über die aktuelle Lage in Politik, Kultur und Tarifgeschehen prüfte.
Auf der Bühne saßen alle Landesverbandsleiter im dunkelblauen Sakko, grauer Hose, hellblauem Hemd und roter
Krawatte. War wohl die damalige Dienstkleidung für Führungskräfte.

Emil Blechschmidt gehörte neben Karl Möller aus Kempten zu dem winzigen Personenkreis, der Rolf Spaethen
widersprechen konnte, ohne gerügt zu werden.

Daran erinnerte ich mich, als E.B. anrief und mir die Stelle als Geschäftsfführer in Mannheim, nach neunmonatiger
Einarbeitszeit, anbot. Nach reiflicher Überlegung nahm ich, wenn ich während dieser Zeit am Bundeskongreß in
Nürnberg teilnehmen durfte, das Angebot an.

In einer Mitgliederversammlung im Saal der Mannheimer DAG wurde ich Ende Oktober 1971 vom Landesverbandsleiter
Blechschmidt vorgestellt. Seine Rede beeindruckte mich tief. Dabei erfuhr ich erstmals, daß er Bundesjugendleiter
gewesen war. Aus dieser Zeit kannte ihn auch der Leiter des DGB-Bildungswerks in Mannheim, wie ich Monate später
erfuhr. Er war ebenfalls Bundesjugerndsekretär des DGB und lobte E.B. wegen seines kollegialen und fairen Verhaltens
in ihrer gemeinsamen "Jugendzeit".

Am 1. Juli 1972 sollte ich die Aufgabe als Geschäftsführer übernehmen. Doch bis dahin galt es erst einen der heftigsten
Arbeitskämpfe in der Metallindustrie in Nordwürttemberg-Nordbaden zu bestehen. Für die DAG war es aufgrund eines
anderen Schlichtungsabkommens mit den Metall-Arbeitgebern nicht möglich, sich aktiv am Arbeitskampf zu beteiligen.
In 24 Streikbüros mußten wir unsere Mitglieder in Mannheim und Heidelberrg "hinhalten". Man merkte E.B. die Belastung
dieser leidlichen Lage an. Gleichwohl machte er allen DAG-Beteiligten Mut. Dafür mochte ich ihn. Ich lernte in diesen
Wochen meine Berufstätigkeit von der schwierigsten Seite kennen.

An dieser Stelle ein Hinweis auf Emil Blechschmidts NSU Ro 80. Er war vernarrt in dieses Auto, auch wenn der ihm häufig
Kummer bereitete. Bei einer Fahrt von Mannheim nach Heidelberg zwang er mich zu einem Wettrennen. Mein "Capri"
hatte keine Chance. Emil war "ein verrückter Hund". Insbesondere aber auch und vor allem beim Tischtennisspielen.
Gewinnen gegen ihn konnte bzw. durfte man sich nicht erlauben.

Aber er stand in schwierigen Situationen zu seinen Mitarbeitern. Die langjährige Mannheimer Geschäftsfführerin E.Sch.
wollte plötzlich ihren Dienst zum 30. Juni 1972 nicht beenden. Sie wollte die getroffene schriftliche Vereinbarung mit
E.B. (und damit mit ihrem Arbeitgeber) nicht mehr einhalten. Also mußte "Emil" nach Mannheim kommen und die
Angelegenheit regeln. Das tat er und so blieb ich bis 1978 in Mannheim und ab 1973 als Leiter des DAG-Bezirks Unterer
Neckar, zu dem die DAG-Ortsgruppen Heidelberg, Sinsheim, Mosbach und Weinheim hinzukommen waren. Diese organi-
satorische Umgestaltung der regionalen Gliederung der DAG verlangte vom Landesverbandsleiter Blechschmidt in
unzähligen Versammlungen bei zum Teil wütenden Ehrenamtlichen viel Überzeugungskraft. Letztendlich war es aber
die Persönlichkeit Blechschmidt, die die frustrierten, des Ortsgruppengeldes beraubten Funktionäre, einlenken ließ.
Es war der Respekt vor dem Menschen Emil Blechschmidt und seiner leidenschaftlichen Ehrlichkeit, die für den neuen
Zusammenhalt sorgte.

Als ich angerufen wurde und mir der Tod Emil Blechschmidts mitgeteilt wurde, sagte ich meinen Mitarbeitern Bescheid
und sperrte mich in meinem Büro ein. Die Tränen sollte niemand sehen.

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